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02.07.2022 Abenteuer Uganda

Der Abschied von Hermanus war nicht ganz so einfach, weniger von Hermanus, als von den Menschen, die ich in dieser Zeit ein wenig kennenlernen durfte. Viele von ihnen sind mir ans Herz gewachsen. Ich hoffe sehr, dass wir uns wiedersehen werden!

Am vergangenen Donnerstag, mitten in der Nacht, sind wir in Kampala gelandet. Wie herrlich, es ist warm, selbst in der Nacht fällt das Thermometer wohl kaum unter 20 Grad. Endlich wieder auftauen, Hermanus war echt schon sehr kalt. Tagsüber bei Sonnenschein war es oft herrlich, kaum war die Sonne weg, kam der Wind auf und es wurde bitterkalt. Die meisten Häuser haben keine Heizung in Kapstadt und Umgebung. Das heisst, warm anziehen, am besten im Zwiebellook war angesagt.


Der Hotel-Shuttle war zuverlässig am Flughafen und hat uns ins Hotel gefahren. Die erste Woche verbringen wir in einem sehr hübschen Hotel, ca. 20km von Kampala Town entfernt. Werner und ich haben die gemeinsame Zeit sehr genossen, er war mir eine riesige Hilfe in allen Belangen❤️.

Vorgestern ist er nach einer vielseitigen und auch turbulenten Woche wieder nach Hause geflogen. Aber beginnen wir von Anfang an. Schon auf dem Weg vom Flughafen ins Hotel sendete ich ein leises Danke gen Himmel, dass ich kein Auto gemietet habe. Der Verkehr hier ist unbeschreiblich, unglaublich, irre, verrückt, also ich finde echt keine Worte. In Uganda leben ca. 54 Millionen Menschen, gefühlt befinden die sich alle auf der Strasse. Sei es am Steuer eines Autos, zu Fuss, auf Motorrädern, die nennt man hier Boda-Boda, eignen sich auch als „Taxi“, oder auf Fahrrädern. Nebst den Menschen findet man auch Kühe, Schafe, Ziegen, Hühner auf den Strassen, so ein Wahnsinn, aber echt. Die Strassen sind in furchterregenden Zuständen, von schön geteerten Belagen zu einer Schotterstrasse im nächsten Moment, Schlaglöcher ohne Ende, ich bin sprachlos. Erinnerungen an Lesotho werden geweckt, hier scheint das ganz normal.

Den Strassen entlang säumen sich Shops, Einkaufszentren, Restaurants, Streetfood-Stände, ein Getümmel Tag und Nacht. Diese Stadt lebt, komplett anders als ich es aus Hermanus gewohnt bin. Die Umgebung hier ist immer laut, immer staubig, immer aktiv. Das ist selbst mir zuviel des Guten.


Am Freitag haben wir erst mal die Ex-Frau einer meiner Halbrüder gesehen, sie war sehr bemüht uns zu sehen und zu begrüssen. Man muss sich das mal vorstellen, 2015 waren wir das erste und auch letzte Mal hier, ich habe hier 2 Halbbrüder, damals waren beide verheiratet. Ernest, der Ältere der beiden, hatte 3 Kinder, Edmund, der jüngere, hatte 2 Kinder. Stand heute, Ernest ist getrennt von seiner damaligen Frau, wird im November Daphne heiraten, hat zwischenzeitlich 6 Kinder mit 3 Frauen. Daphne hat (noch) keine Kinder mit ihm. Edmund ist ebenfalls getrennt von seiner damaligen Frau, hat zum Islam konvertiert, hat zur gleichen Zeit 2 Frauen und gesamthaft 5 Kinder mit 3 Frauen. Die sind echt crazy drauf hier. Auch das geht mir zu weit. Aber es ist deren Leben, sie müssen das selbst irgendwie auf die Reihe kriegen. Wie überall auf der Welt herrscht auch in diesen Familien viel Streit, Neid, unausgesprochene Wahrheiten, vieles Hintenrum, usw.

Ich habe meine beiden Halbbrüder gestern wissen lassen, dass ich nicht involviert werden möchte in ihre Lebensgeschichten. Ich bin offen, respektiere ihre Lebenseinstellungen und enthalte mich jeglicher Parteilichkeit. Mein Grund hier zu sein, ist nicht, mich in Familienstreigkeiten einzubringen, einzumischen.

Diese Geschichte erzähle ich euch nur, um euch einen Einblick zu geben, wie Leben hier stattfinden kann. Und damit ihr besser nachvollziehen könnt, wie es mir hier geht.


Am Samstag hat Edmunds Exfrau uns zum Kinderheim Safe Children Uganda, wo ich arbeiten werde, gebracht. Eine ruhige Umgebung, sehr gepflegt, aber kaum Kinder draussen am Spielen, das war mein erster Eindruck. Ein Mann kam, um uns zu begrüssen, es war nicht Moses. Er scheint der admin. Leiter der Organisation zu sein, seinen Namen habe ich leider vergessen. Er meinte, ich müsse mich eigentlich erst schriftlich bewerben, dann wird meine Bewerbung geprüft, dann können wir sehen wo ich eingesetzt werden könne, so laufe das bei ihnen. Ich erklärte ihm dann, dass ich über Nico Schumann (Deutschland) komme und meine Bewerbung bereits durch sei. Er meinte daraufhin, dann ist ja eh alles klar, und ich könne jetzt wieder gehen. Es war sehr verwirrend für mich. Ich bat ihn, mir das Kinderheim zu zeigen damit ich die Kinder mal sehen kann und weiss, wo ich mich befinden werde. Er schien nicht wirklich motiviert, zeigte mir aber dennoch zumindest das Kinderheim. Es leben 4 Mädchen und 11 Jungs da. Es gäbe auch noch eine Schule und einen Kindergarten. Ich war komplett überfordert. Ich habe etwas anderes erwartet, viel mehr Kinder, viel mehr Angestellte, mehr Leben, es fühlte sich so kalt an.

Wir verliessen den Ort und ich war mir sicher, dass ich da nicht arbeiten werde. Kein Gefühl des Willkommen-Heissens vermochte mir der junge Mann zu übermitteln.


Werner und ich redeten dann viel darüber, ich kam zum Schluss, dass ich erst ein Gespräch mit Moses abwarten muss, allenfalls auch mit Nico, um endgültig zu entscheiden.

Dennoch haben wir uns andere Institutionen wie Baby-Homes und Waisenhäuser rund um Kampala angesehen, ich und meine Hilfe schien nirgends richtig Willkommen. Es fühlte sich falsch an, hier zu sein. Ich begann mit dem Gedanken zu spielen, mit Werner nach Hause zu fliegen. Auch ein ordentliches und bezahlbares zuhause wollte sich nicht finden lassen, alle Zeichen zeigten auf Abbruch.


Am Dienstag dann der Termin mit Moses, der einiges aufgelöst hat. Wir wurden herzlichst begrüsst von ihm, es war richtig erfrischend. Es gab ein Meeting mit der Leitung, wir haben uns gegenseitig vorgestellt, ich wurde gefragt, was ich in Südafrika mit den Kids gemacht habe, das Interesse an meiner Person und Arbeit war spürbar. Zum Schluss des Meetings wurde ich durch die gesamte Institution geführt, ich durfte in alle Klassen gehen, die Teacher kennenlernen. Mein Herz begann zu brennen. Ich entschied mich, hier zu arbeiten. Mit Moses habe ich besprochen, dass ich am kommenden Montag beginnen werde, die erste Woche dient dem Kennenlernen und Reinschnuppern in alle Bereiche. Am Ende der Woche darf ich einen Plan machen, wo und wieviel und was ich arbeiten möchte. Nun freue ich mich schon sehr auf Montag, ich werde unvoreingenommen starten, soweit mir das möglich ist, den Menschen und Kindern begegnen und herausfinden, wo ich am ehesten etwas bewirken kann.

Übrigens, Moses hat mir erlaubt, immer und jederzeit von ihm, den Kindern, und der Institution Fotos zu machen und diese in meinem Blog zu veröffentlichen🤩.


Auch die Wohnsituation hat sich geklärt, nach unzähligen Hotels und Wohnungen, die wir abgeklappert haben, fanden wir schlussendlich dank unseres Drivers Brian, eine wirklich sehr schöne Wohnung, ca. 3-5 KM entfernt von meinem Arbeitsplatz. Freude herrscht🤩.


Das einzig ungeklärte bis jetzt ist die Transportmöglichkeit. Selber Auto fahren kommt für mich hier nicht in Frage, ich verstehe dieses Verkehrssystem wirklich (noch) nicht und traue mich nicht. Es steht der Gedanke im Raum einen Scooter zu kaufen für die 2 Monate, so wäre ich selbständig und müsste nicht immer Uber bestellen, zudem wäre es massiv günstiger, am Ende meines Aufenthaltes könnte ich ihn wieder verkaufen, jedoch raten mir alle, wirklich ALLE davon ab. Es sei zu gefährlich hier selbst zu fahren.

So werde ich vorab einmal das Transportmittel Boda-Boda nutzen, die seien zwar auch soooo gefährlich, aber mal ehrlich, was ist hier nicht gefährlich? Selbst zu Fuss gehen ist hier eine Herausforderung. Ich werde herausfinden was das Beste und Sicherste für mich ist.

Lange Rede kurzer Sinn, richtig angekommen bin ich hier in Uganda noch nicht, den Reiz, den viele beschreiben, habe ich noch nicht gefunden, vielleicht bin ich einfach nur zu alt für diese hektische, immer lebendige Gegend. Vielleicht aber werde ich nächsten Monat schon berichten, wie toll das alles ist hier. Ich habe unter anderem in Afrika gelernt, keine vorschnellen Entschlüsse und Bewertungen zu fassen, es kommt, wie es kommen soll.


Im Härtefall kann ich immer nach Hause kommen, mein Flugticket ist flexibel 😉.

Emotional bin ich sehr oft in Hermanus, mit den Mädels, Sorya und auch den Teachern bin ich im engen Kontakt ❤️. Noch öfter bin ich emotional zuhause, bei meinen Lieblingsmenschen. Janine wird 30 am 4. Juli, dies ist wohl ihr erster Geburtstag, den wir nicht gemeinsam feiern😥😥. Aber Werner vertretet mich an ihrem Fest, DANKE mein Schatz❤️. Und dir Janine, ein schönes Fest, geniesse deine Lieblingsmenschen um dich herum, in Gedanken werde ich diesen grossen Tag mit dir feiern❤️.

Dennoch möchte ich mir und auch Uganda die Zeit geben, mich einzufinden. Wenn ich meine ersten Beiträge in Hermanus lese, so war auch da eine grosse Unsicherheit, viele Tränen, das Gefühl, nicht zu wissen, warum und wofür. Nach 4 Monaten wusste ich warum und wofür. Vielleicht zeigt es sich hier ähnlich nach 2 Monaten.

Ich denke oft an euch und ich vermisse euch ❤️. Nach diesem halben Jahr weiss ich wieder zu schätzen was es heisst, einen sicheren Hafen und ein zuhause zu haben.


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