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31.03.2022 Magic Moments – mein erster Beitrag

Aktualisiert: 7. Apr. 2022

Hallo ihr Lieben, wie schön darf ich Teil von dieser wunderbaren Reise sein. Ich bin Janine, die Tochter von Rita und bin am Freitag, 25. März 2022 in Kapstadt gelandet. Seit über einem Jahr ist dieses Vorhaben Thema am Familientisch. Und nun sind wir hier. Und bewegen was. Es fällt mir schwer zusammenzufassen, was ich seit meiner Ankunft schon alles erlebt und gespürt habe. Vom absoluten Ferien-Touristen-Luxus zu unfassbarer Armut – und beides raubt mir den Atem. Es ist mein erstes Mal in Südafrika und ich bin gänzlich überwältigt.


Beginnen wir von vorne: zum Flughafen Zürich begleitet mich ein Koffer mit 23kg voller Kinderkleidung vom Spendenverein «Swiss Board of Aid». Es erstaunt mich, wie einfach es doch ist, Gutes zu tun. Die Mitorganisatoren des Vereins, Marie-Louise und Peter fahren mich sogar von Zuhause zum Flughafen, um meine Anreise mit zwei grossen und einem kleinen Koffer zu erleichtern. Danke an dieser Stelle nochmal, ich schätze das sehr!


Dann folgt plötzliche Überforderung, denn an der ersten Flughafen-Kontrolle weise ich selbstsicher meine Identitätskarte vor. Die Dame weist mich rasch zurück und meint, sie brauche meinen Pass. Und der liegt Zuhause. Ich habe einfach nicht darüber nachgedacht. Herrgott Janine, wie konnte dir das nur passieren? Die Dame drückt sich klar aus: ohne Pass keine Einreise! Ich werde nervös und überdenke all meine möglichen oder eben nicht mehr möglichen Wege, um doch noch ans Ziel zu gelangen. Es scheint keine Lösung zu geben. Bis Andris, der junge Mann vor mir die rettende Notpass-Idee einbringt. Ich zahle dankbar meine CHF 150.– Lehrgeld für den provisorischen Pass und lade ihn am Gate auf einen Drink ein. Und danke nein, ich will nicht weiter darüber reden… ;) Nach 16 Stunden Flugzeit lande ich glücklich in Kapstadt und werde mit offenen Armen erwartet. Wie schön, dich endlich wieder zu umarmen, Mama!



Unsere ersten, gemeinsamen Stunden widmen wir der wöchentlichen Suppenausgabe an Kinder im Township inmitten von Kapstadt, welche vom Spendenverein «Ubuntu Charity» ermöglicht werden. Ohne wirklich zu wissen, was mich genau erwartet, fahren wir rein und ich bin sofort erschüttert. Ein riesiges Gebiet voller Armut, Blechhütten, Abfall, Menschen jeden Alters – und das ist ihr Zuhause! Wir kommen an; ca. 150 Kinder erwarten uns bereits und reihen sich für die Suppe ein. Es ist schwierig, die Menge pro Kind abzuschätzen, denn wir wissen ja nicht, wie viele noch kommen und es soll ja für möglichst viele ausreichen. Unglücklicherweise verblieben tatsächlich 5 Kinder ohne Suppe und niemand weiss, wann sie das letzte Mal oder das nächste Mal zu Essen kommen. Das bricht mir das Herz! Speziell erwähnen möchte ich auch die Verteilung der Sachgüter. Die Mütter erhalten einen gespendeten Sack gefüllt mit Kinderkleidung und Spielsachen – sie teilen sorgfältig untereinander auf. So hat also keine der Mamas die Chance selbst zu entscheiden, was ihre Kinder tragen oder womit sie spielen. Sie sind einfach nur unglaublich dankbar!





Die nächsten 2 Tage geniessen wir Kapstadt. Anfänglich begleiten mich viele Gedanken und vor allem das schlechte Gewissen. Warum darf und kann ich und sie alle nicht? Welche Berechtigung habe ich für diesen ganzen Luxus? Wie kann ich nun Geld für Sightseeing ausgeben, wenn nicht weit von mir Menschen hungern? Tragischerweise sind wir auch solch unglaubliche Gewohnheitstiere, denn nach den ersten imposanten Eindrücken verdränge ich und gönne mir die üblichen Must-Sees in Kapstadt.


Am Montag, 28. März 2022 erreichen wir Mamas aktuelle Heimat, Hermanus und finden uns im Seeds4Kids im Township zur Bible Study ein. Ein eher kleiner und enger Raum. Die Hitze drückt. Gefühlte 50 Kids sitzen 2 Stunden da drin und hören aufmerksam Gottesgeschichten. Als wir ankommen strahlen mich unglaublich viele Kinder an. Sie winken und lächeln. Ein 3-jähriger rennt auf mich zu, umarmt meine Beine und lässt sich von mir sofort auf den Arm nehmen. Sobald der freiwillige Unterricht beendet ist, stürmen die Kids nach draussen, lernen mich kennen, spielen, lachen, stellen ihre Fragen. Einige sind scheu und öffnen sich erst mit dem Spüren von direkter Aufmerksamkeit und Liebe. Eine pure Gefühlsachterbahn!


Am nachfolgenden Tag übernehmen wir spontan das Programm für die von Mama eingeführten 2 «Unterrichtsstunden», die nun zweimal in der Woche angeboten werden. Es geht darum, die Kinder zu stärken, sie wertzuschätzen, ihnen zu helfen, ihren Weg zu finden und um Liebe – unglaublich viel Liebe. Man spürt unweigerlich, wie sehr sie sie brauchen. Die Geschichte dazu habt ihr gestern im Beitrag von Mama gelesen. Es war ein unglaubliches Erlebnis, welches ich für immer im Herzen tragen werde. Und wie unsicher ich anfänglich doch war. Und wie schnell sie mir Sicherheit vermitteln. Wir sind ihre «Teacher». Und ihre Wertschätzung ist ab der ersten Minute spürbar. Was für ein wunderbares Gefühl!


Gestern war im zum ersten Mal im Learn2Read. Das Programm für die Kleinen zwischen 8 Monaten und 5 Jahren. Oh mein Gott, es ist einfach unbeschreiblich! Keine Worte und keine Bilder können diese Emotionen, Erkenntnisse und Momente je einfangen. Wir kommen rein und die ersten strahlenden Kinderaugen berühren uns – noch nie gesehen und doch entsteht innert kürzester Zeit eine wahnsinnig wertvolle Verbindung. Es sind, ehrlich keine Ahnung wie viele Kinder, aber echt überwältigend viele Kinder da. Und nur 3 Betreuerinnen. Sie managen den ganzen Tag von A bis Z; sie müssen ja, es ist nicht mehr Personal da. Sie haben echt meinen vollsten Respekt für diese Arbeit! Während 2 Stunden sind die Kids gefüttert, gewickelt und legen sich für ihren Mittagsschlaf auf dutzenden dünnen Matratzen hin. So viele Kinder aneinandergereiht auf kleinstem Raum – und schnell wird es ruhig. Es funktioniert einfach. Unvorstellbar in «unserer» Welt.


Heute haben wir mit den Mädels einen Strandtag auf dem Plan und laden sie anschliessend zum «Znacht» in ein Restaurant ein. Sie sind schon so aufgeregt und freuen sich auf das spezielle Ereignis – genau wie wir! Voller Vertrauen, Zuversicht und Vorfreude starten wir den heutigen Tag. Nächste Woche werde ich selbst einen Nachmittag gestalten. Meine Tante, Jeannette hat mir vor meinem Abflug CHF 100.– für ein Programm nach meiner Wahl überwiesen. Danke für diese für mich unglaublich berührende Spende! Ich habe so viele Ideen und doch fällt es mir schwer, mich zu entscheiden. Nach eingehender Prüfung, was man ohne Geld für so viele Kids auf die Beine stellen kann – und das ist nicht so einfach – ist es zwischenzeitlich fast schwieriger zu entscheiden, was ich mit Geld tun soll. Da ist so unglaublich viel Armut spürbar. Wäre es nicht doch besser, es für was Essenzielles einzusetzen? Oder ist das was wir tun «genug»? Wie kann ich diese Spende nachhaltig mit einem Programm verbinden? Fragen über Fragen. Ich werde spüren, was richtig sein wird und es euch nächste Woche wissen lassen.


Eine unglaublich wertvolle Zeit. Und ich könnte noch ewig weiter schreiben, denn es sind tausend kleine Momente, die festzuhalten sind. So oder so wird diese Erfahrung mein Leben prägen. Und ich hoffe, das tut es auch für die Kinder.


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1 comentario


Rita Juri
Rita Juri
31 mar 2022

schön dass du da bist Janine und somit ein Teil von uns bist❤️🙏🥰

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